Die Sache mit dem Glauben weist Parallelen mit der Politik auf.
Da gibt es diese zwei großen Blöcke, die sich seit jeher ambivalent agierend gegenüber stehen:
Rechts und Links. Konservatismus und Sozialismus. Bürgertum und Proletariat.
Das ein beachtlicher Teil der pluralistischen Gesellschaft im 21.Jahrhundert viel zu bunt und vielfältig ist um sich in eines dieser beiden Systeme einzuordnen, wollen die meisten Ideologen dahinter nicht wahr haben.
Wenn man sich beispielsweise einem alternativen Liberalismus zugehörig fühlt, der außerhalb dieser schwarz-weißen Welt steht, wird dieser von beiden Seiten gleichermaßen belächelt und der Kritik ausgesetzt es handle sich hierbei nur um schwammige Utopie, anstatt um feste Werte.
Doch bevor ich mich einzementiere und mit Scheuklappen durch ein Leben voller Dogmen laufe, gehe ich lieber die Gefahr ein hin und wieder ein wenig ins Schwanken zu geraten.
Ähnlich verhält es sich bei dem Konfliktthema Glauben.
Auf der Seite der Religiösen stehen Fundamentalisten, Orthodoxe, Evangelikale aber auch Gemäßigte und Aufgeklärte. Sicherlich ist hier deutlich zu unterscheiden und doch glauben sie alle die einzige (weil meist monoistisch begründete) Wahrheit erkannt, gefunden und gepachtet zu haben und sind jedem Zweifel erhaben.
Auf der anderen Seite stehen oft die radikalen Atheisten, die mit pseudowissenschaftlichen Argumenten versuchen die Nichtexistenz Gottes zu beweisen(und sich damit im Endeffekt der gleichen unlauteren Mitteln bedienen wie die Evolutionstheorie-Gegner auf der anderen Seite, die sie kritisieren). Meistens sind es aber in Wahrheit ganz unwissenschaftliche - persönliche - Dinge, die ihren Atheismus geprägt haben.
Und wiedereinmal eint die beiden Kontrahenten das selbe Denkmuster. Nach Schicksalschlägen und einschneidenden Erfahrungen sind Beide auf der Suche nach Antworten auf ihre Fragen. Die Einen finden sie in einem oft blinden und undifferenzierten Glauben an einen allmächtigen Gott. Die Anderen kommen um nichts weniger undifferenziert und selbstgerecht zum verbitterten Schluss dass es bei so viel Leid einen solchen nicht geben kann.
Beide verkennen dabei den wahren Sinn. Nicht die Antwort, sondern die Frage ist das worum es im Grunde geht - klingt abgedroschen und banal, ist aber so.
Wie schon bei der Politik halte ich es auch beim Glauben mit einer ideologiefreien und offenen Gesinnung, die sich weder zwischen noch über oder unter diesen zwei "Glaubensblöcken" sieht: Agnostizismus.
Man kann nicht von Wahrheit sprechen, wenn diese nicht rational belegbar ist. Und man kann ebenso nichts leugnen, was man nicht widerlegen kann.
Ob Politik, Glaube oder all die anderen unwichtigen Dinge im Leben: Den meisten Menschen fehlt es an Differenziertheit. Sie leben in Absolutismen.
"Man darf nicht alles schwarz-weiß malen" ist eine diese allseitsbekannten Binsenweisheiten, die man sich im Alltag gegenseitig nur all zu oft um die Ohren wirft, ohne sich selbst je richtig daran gehalten zu haben.
Und versucht man es mit viel gutem Willen und enormer Selbstbeherrschung doch, wird man als einer von wenigen, die versuchen sich ihren differenzierten Individualismus zu bewahren, zwischen den beiden alles vereinnehmenden Blöcken erdrückt.
Das Leben kann schon scheiße sein.
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